Freitag, 25. Januar 2013


Hallo, wir sind die Generation Praktikum. Wir sind die, die mit dem neu eingeführten Zentralabitur in der Tasche den neu eingeführten Bachelor studiert haben, um dann den neu eingeführten Master zu machen. Wir sind Kinder der Bologna Reform und vielleicht irgendwann etwas ganz besonderes, weil es von uns nur ein paar Jahrgänge gab.

Wesentlich verändert hat sich in der Geschichte des Kapitalismus der Begriff der Arbeit an sich. Damit einher geht auch die Veränderung von mit Arbeit in Verbindung gebrachten Begriffen. "Karriere" bezeichnete ursprünglich eine Straße für Kutschen, auf die Arbeit angewandt bedeutet Karierre heute eine lebenslange Kanalisierung für die ökonomischen Anstrengungen des einzelnen. Heute werden Angestellte permanent von einer Straße auf die andere verschoben, kaum jemand kann eine Straße bis zum Ende gehen. Als "Job" wurde im 14. Jahrhundert ein Klumpen bezeichnet, der herumgeschoben werden konnte. Heute verrichten wir Arbeit wie herumgeschobene Klumpen: mal hier, mal dort.

Die moderne Flexibilität bedeutet keineswegs Freiheit. Hinter der Flexibilität verbirgt sich ein Machtsystem, das uns knebelt und zwingt, nach seinen Vorschriften zu leben.
Was die Flexibilität mit sich bringt, ist vor allem Angst. In unseren Köpfen herrscht Verwirrung, Zweifel und Unsicherheit. Wir müssen permanent Pläne schmieden, uns immer wieder von diesen verabschieden und uns mit neuen Plänen herumschlagen.

Wir haben kaum Geld und kaum Zeit, um uns nebenbei etwas zu verdienen. Um uns überhaupt für weiterführende Studiengänge qualifizieren zu können, müssen wir Praktika absolvieren, für die wir meistens nicht bezahlt werden. Oft müssen wir alle Zelte hinter uns abbrechen und sie irgendwo auf Zeit neu aufstellen. Das zehrt an unseren Kräften.

Wir fürchten uns vor Freundschaften und davor, uns zu verlieben, weil wir vielleicht in zwei Monaten in einem ganz anderen Teil des Landes leben werden. Wir wissen nicht, ob wir jemals genug Geld haben werden, um eine Familie gründen zu können. Wir fürchten uns davor, den Ansprüchen der Arbeitswelt nicht genügen zu können, weil wir eigentlich das Gefühl haben, nicht gut genug darauf vorbereitet zu werden.

Wie sollen wir langfristig Ziele verfolgen, wenn wir im Rahmen einer ganz auf das Kurzfristige ausgerichteten Ökonomie leben? Wie können wir Loyalitäten und Verpflichtungen in Institutionen aufrecht erhalten, wenn diese ständig zerbrechen oder umstrukturiert werden? Wie sollen wir bestimmen, was für uns von bleibendem Wert ist, wenn die Gesellschaft, in der wir leben, uns ungeduldig von einem Moment zum nächsten schubst?

Diesen Fragen stellen wir uns. Wir sind die Lemminge des flexiblen Kapitalismus.  

Kommentare:

  1. Es wäre nett, wenn die eingestellten Texte zumindest grammatikalisch und orthographisch fehlerfrei geschrieben würden. Dann könnte man sie besser ernst nehmen. Vielen Dank im Voraus.

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  2. Lieber Anonym,

    dich könnte man vielleicht auch "besser ernst nehmen", wenn DU in der Lage wärst, deine Sätze hübscher zu formulieren.

    Was die Grammatik angeht, kann ich dein Problem nicht ganz nachvollziehen. Wir sind alle in der Lage, uns gut und klar auszudrücken und wenn sich mal ein Fehlerchen einschleichen sollte, dann bitten wir um Verständnis dafür.
    Mag ja sein, dass sich andere gern in Perfektion wälzen und so arrogant sind, dass sie nur ernst nehmen, was fehlerfrei geschrieben wurde.

    Wir aber bevorzugen dann doch den Austausch, die gegenseitige geistige Befruchtung und vor allem: nicht immer alles so ernst zu nehmen.
    Wenns dir nicht gefällt, dann lies einfach nicht mit.


    Danke.

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