Samstag, 26. Januar 2013

Frage 1:


Ab sofort werden wir euch hier regelmäßig Fragen stellen, die auch wir uns im Zuge unserer Vorarbeit zum Thema von November 2012 bis April 2013 ein halbes Jahr lang entweder wöchentlich, monatlich oder einmal stellen. 

Wir sind gespannt auf eure Antworten!

Los gehts:


Inwiefern beeinflusst Bezahlung dein Schaffen?



Antworten könnt ihr uns in den Kommentaren oder per Mail an: formlos.kollektiv@googlemail.com

Kommentare:

  1. Für mich hat Bezahlung auch was mit Anerkennung zu tun: mein Schaffen hat Wert. Ich bin dann eher dazu bereit, Verantwortung zu übernehmen und bin verbindlicher, motivierter und zuverlässiger.

    Langfristig fühle ich mich weniger ausgenutzt und bin zufriedener und zufrieden sein lässt mich mehr schaffen.

    Ausserdem brauch ich zum Leben Geld und Lebensqualität kostet nunmal Geld: die Wohlfühlwohnung, leckeres Essen, der Milchkaffee mit der Lieblingsfreundin im Lieblingscafé, die warme Winterjacke oder der Schwimmbadbesuch.

    Ich fühle mich mit einem bezahlten Job lebenssicherer und dieses Gefühl beeinflusst mein Schaffen insofern, als dass ich diese Sicherheit zurückgeben kann.

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    1. Das heißt Geld gibt deinem Schaffen einen Wert, denn es vorher nicht hatte oder verändert sich der Wert? Aber wie genau?

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    2. Ja, und zwar einen Wert von 7,43 € pro Arbeitsstunde. Das ist zusätzlich zu "weichen Werten", wie Dankbarkeit oder Zufriedenheit für/mit dem, was ich schaffe eben mehr, als Dankbarkeit und Zufriedenheit (mal davon ausgegangen, dass mir der Job Spaß macht - was er tut).

      Ein Ehrenamt oder ein unbezahltes Praktikum bedient andere Bedürfnisse, wie persönliche Weiterentwicklung oder künstlerische Freiheit oder ausleben von sozialen Interessen. Das Bedürfnis nach finanzieller Sicherheit jedoch nicht.

      Je nachdem, wieviele Bedürfnisse mit dem Schaffen erfüllt werden können, verändert sich der Wert für mich:

      Interesse+7,43€+zufriedenes Feedback= 3 Bedürfnisse erfüllt, höchster gefühlter Wert

      oder

      Interesse+zufriedenes Feedback = 2 Bedürfnisse erfüllt, hoher gefühlter Wert

      oder

      Interesse = 1 Bedürfnis erfüllt, mittlerer gefühlter Wert

      oder

      zufriedenes Feedback = s.o.

      oder

      7,43€ = s.o.

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  2. die frage ist doch auch:

    kann ich mir ein schaffen ohne bezahlung überhaupt leisten!?

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    1. Wahrscheinlich nicht, weil du bereits Teil des Systems bist und deshalb auch darauf angewiesen bist.

      Aber zurück zum Wert. Gibt Geld, demjenigen der es verdient tatsächlich eine neuen Wert mit (über den Lebenserhalt und Konsum/Genuss etc. hinaus) oder handelt es sich nicht eher um den Mehrwert, welcher wiederum nicht dem Arbeiter selbst zu gute kommt, sondern nur dem der über das Investitionskapital verfügt?
      (da müsste mal wohl auch nochmal genau in DAS KAPITAL schauen, aber vielleicht erklärt sich die Frage auch so bzw. kann auch so weiter ausgeführt werden..)

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    2. vielleicht will ich mir aber ein schaffen auch ohne bezahlung leisten können, weil ich mich nicht am geld messen will und meine kreativität nicht nur sprudelt, wenn ich weiß, dass ich für den nächsten text 3 euro bekomme.

      es ist natürlich sehr angenehm, wenn man bezahlt wird.
      aber soll man zb einfach aufhören, theater zu machen, bücher zu schreiben, filme zu drehen, kindern im kongo zu helfen, alte menschen zu pflegen, die welt zu retten, sobald man kein geld dafür mehr bekommt?

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    3. da machst du es dir aber einfach, frau schmidt.

      schließlich wird genau diese arbeit oftmals ohne bezahlung verrichtet und dann auch noch mit viel herzblut und energie. aber ohne ein gewisses supportsystem wäre das auch niemandem möglich.
      das heißt also
      a) ich habe einen "richtigen" job, der mein leben finanziert und kann es mir darum leisten, ehrenamtlich kindern zu helfen oder in meiner freizeit filme zu drehen etc. oder
      b) ich habe entweder jemanden, der mir geld gibt oder borgt, damit ich die beschriebenen dinge tun kann. nur das hinterlässt doch meist einen ziemlich schalen beigeschmack.
      denn: ich tue zwar das, was ich liebe, aber liege damit gleichzeitig anderen menschen auf der tasche, die wahrscheinlich selber schauen müssen, dass sie irgendwie die wurst fürs brot herbekommen.
      wenn ich also auf der bühne stehe, habe ich vielleicht den spaß meines lebens, aber wenn ich dann nach hause komme und abends ruft die mutti an, erzählt von ihrem 9-stunden-arbeitstag und das ihr der rücken weh tut und trotzdem überweist sie mir jeden monat die miete, dann geht doch schonmal das schlechte gewissen an, oder?
      und schon ist das schaffen wieder abhängig von der bezahlung. ob direkt oder indirekt.
      und ein diffuses schuldgefühl kommt auch noch dazu.

      und was ja auch noch wichtig ist: es gibt auch genug menschen, die das tun, was du aufgezählt hast und die dafür bezahlt werden. wie gut bzw. schlecht mal dahin gestellt.
      die machen das sicher auch noch zehnmal lieber, als wenn sie nichts dafür bekommen würden.

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    4. aber aber! ich denke nicht, dass ich es mir einfach mache. ich muss mich auch mit den von dir beschriebenen dingen rumplagen: permanent schlechtes gewissen, weil ich meinen eltern noch wer weiß wielange auf der tasche liegen muss, weil ich noch nicht genug eigenes geld verdiene und auch nicht weiß, wann das jemals stattfinden soll.
      trotzdem darf ich ja wohl äußern, ohne gleich nen kommentar darauf zu bekommen, der mir ein schlechtes gewissen machen soll (das ich ohnehin schon zur genüge habe, keine sorge), dass ich mich frage, ob die bezahlung mein schaffen DIREKT beeinflusst oder nicht. dass es notwendig wird, sobald ich mich dazu entscheide, von meiner kunst zu leben, und dass es ein gutes gefühl ist, eine entlohnung zu bekommen, ist ja gar nicht die frage!

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    5. mein ansatzpunkt war eher: male ich nur bilder, schreibe ich nur gedichte, spiele ich nur theater, wenn ich weiß, dass ich dann dafür auch was bekomme?
      und da ist MEINE antwort eben ganz klar: NEIN.
      ich mache das, weil ich es irgendwie machen muss und will und weil ich es fetzt. aber es geht mir nicht nur "um den spaß meines lebens", sondern eben auch darum, dass ich gern die nische finden möchte, in der ich dann auch mal was damit anfangen kann, um geld zu verdienen, ja! geld!
      aber es ist nicht das geld, das mich jeden tag dazu motiviert und antreibt, kunst zu machen.
      und ich bin allen menschen, die mich finanziell unterstützen und mir somit zeigen, dass sie an mich glauben, extrem dankbar und weiß, dass es ohne sie nicht ginge.

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  3. Ich bin grad auf ein schönes Zitat gestoßen:

    "Arbeit nur für den Lohn ist keine Arbeit, nur Sklaverei." (Rudolf von Laban)

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  4. Privat "schaffe" ich zurzeit ohne Bezahlung, es heißt ja nicht umsonst brotlose Kunst. Das ist für mich aber kein Problem, da ich für mich schaffe bzw für alle anderen, die meine Werke sehen wollen.
    Was Schaffen im Sinne von Arbeiten angeht, sehe ich es als reines Mittel zum Zweck, es muss mir auch keinen Spaß machen,obwohl das natürlich cooler wäre. Es muss einfach nur so viel raus dass es reicht um die Dinge zu finanzieren die mir Spaß machen. Es kommt ab der Summe die ich brauche,dann auch nicht mehr auf die Höhe des Betrages an, weil es dann einfach nur der Überschuss ist.
    Man könnte mich auch nicht reizen mit mehr Entlohnung mehr zu arbeiten, da Freizeit bzw. Zeit die man für sich hat nicht mit Geld aufwiegen kann.
    Sorry für eventuelle Rechtschreib- und Grammtikfehler

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